USA Eastcoast 2009

Ostküstentour durch die USA mit den Stopps Boston, New York, Philadelphia, Washington, Orlando, Kennedy Space Center, Sanibel Island und Miami im September 2009.

Operation Kakerlake

Klar, warum nicht: letzter Tag in Miami. Es ist heiß, es ist feucht, der South Beach ist großartig, der Ocean Drive leuchtet nachts in voller Neonpracht, während die Mustangposer mit Unterbodenbeleuchtung auf– und ableuchten. Downtown Miami ist zwar schick, aber irgendwie auch unspektakulär; wir vermissen die 5th Avenue.

Heute zum letzten Mal ausschlafen, Wecker noch mal ausschalten, entspannt aufstehen, und dann AAAAAHHHH!!! Kakerlakenalarm. Unser persönliches Exemplar ist voll ausgewachsen, sitzt auf dem Handtuchhalter und scannt mit langen Antennen die Umgebung, um dann langsam die Wand hochzuklettern.

Die Luftschlacht um Sanibel Island

Aaaah, Strand. Erholung für die in den Metropolen plattgelaufenen Füße. Abkühlung für die von der Sonne aufgeheizten Köpfe.

Pelikane rocken, Dude! Wie sie auf dem Wasser kreuzen wie ein Schlachtschiff; schwerfällig (verglichen mit den Jagdfliegermöwen) breiten sie ihre weiten Schwingen aus, nehmen langsam, aber unhaltbar wie eine Lokomotive an Fahrt auf, dann der eher komische Moment, wo sie mit ihren Plattfüßen über das Wasser watscheln, um endlich abzuheben, ihr Kampfgewicht vom Boden abzustoßen, um dann wie ein schwerer Bomber knapp über der Wasserkante und tief unter dem Radar nach ihrer Beute zu suchen. Wenn sie einen Fischschwarm finden, die einem im strandnahen Flachwasser zahlreich um die Beine schwimmen, dann stoßen sie ziemlich wendig durch die Wasseroberfläche, ohne sich allerdings um Kollateralschäden zu kümmern: Masse statt Klasse, einen ganzen Pelikanschnabel voller Meerwasser, wird schon was Leckeres drin sein!

Welcome to the Jungle

Sollte ich mich irgendwie abfällig über Klamotten-Shopping geäußert haben? Falls ja, so nehme ich alles zurück.

Wir kamen gestern mit dem Flieger aus Washington in Orlando an. Ein kurzer Schock: raus aus dem klimatisierten Flughafen, rein in 30 Grad Hitze. Knallende Sonne. Palmen. Aaaah, Florida.

Erster Stop: eine Outlet-Mall. Auf dem Weg dahin bekomme ich den Eindruck, als bestünde die ganze Stadt nur aus Outlets. Das relativiert die Erwartungen, vor allem an die Preise. Die Relativierung wird vor Ort schnell wieder relativiert. Alles ist BILLIG preisgünstig. Darauf gibt es dann noch mal 40% Rabatt, oder buy one get one for 50% usw. Jedes namhafte Label hat einen eigenen Shop, das Ganze ist größer als eine durchschnittliche deutsche Innenstadt. Kurz: ein Paradies für Gelegenheitsshopper wie mich.Eine doppelte Vollausstattung von Schuhen bis zur Unterhise im Wert von geschätzt 500 Euro wechselt den Besitzer für 150 Euro. Powershopping in wenigen Stunden, ich bin happy :o)

Das Zentrum der Welt

Damals konnten sie es ja noch nicht gewusst haben, welche Rolle die amerikanische Nation einmal in der Welt spielen wuerde. Wenn wir heute durch die National Mall mit ihren majestaetischen Monumenten wandern und am Weissen Haus vorbeischlendern, dann koennen wir nicht anders als zu denken: hier haben die Amerikaner das Zentrum der Welt errichtet. Politisch, ideologisch, architektonisch. Die politische Macht erschlaegt mich aber deutlich weniger, als ich erwartet hatte. Die beeindruckenden Bauwerke, die noch intensivere Sicherheitspraesenz (in das Capitol duerfen wir nicht mal unsere Suessigkeiten mitnehmen), das laesst uns nicht vergessen, wo wir uns befinden. Die Sauberkeit und Ordnung ist beeindruckend.

Die Strassen der Stadt sind aber leer. Wenige Fussgaenger, wenig Verkehr. Sogar wenige Touristen, ausser an den optischen Hotspots Capitol und Lincoln Memorial, aber selbst am Weissen Haus halten sich nur ueberschaubare Gruppen auf. Washington wirkt an manchen Ecken wie ein Freizeitpark: man laeuft den ganzen Tag durch schoene Parks und an praechtigen Bauwerken vorbei, die man aber (aus Sicherheitsgruenden) nicht betreten kann — sie koennten genau so gut schoen bemalte Pappkulissen sein. Seit 9/11 gibt es statt der Originale vielerorts nur ein Visitors Center mit Fotos und ein paar Ausstellungsstuecken.

Der Besuch hier erinnert mich an meinen Abstecher zum Ayer’s Rock in Australien: man muss einfach dort gewesen sein, aber es erschoepft sich recht schnell. Uluru fand ich allerdings aufgrund seiner Naturgewalt beeindruckender, Washington ist eben voll durchkonstruiert und gewollt bombastisch.

Trotzdem: es lohnt sich. Und sicher lohnen wuerde sich auf ein Besuch in den Weltklassemuseen vom Smithsonian bis zum International Spy Museum. Aber dafuer haben wir mal wieder keine Zeit — drei Wochen sind einfach zu wenig fuer die Ostkueste… nunja, morgen frueh geht’s auf nach Florida, vielleicht kommt ja jetzt wirklich der Urlaubsteil des Urlaubs ;-)

Das Nachtleben in Washington scheint uebrigens ziemlich lebendig zu sein. Wir haben nur ein kleinen Eindruck bekommen, aber auf den Strassen war nachts deutlich mehr los als tagsueber, an einer Kreuzung beigeisterte eine komplette New Orleans Jazz Combo die Passanten, und die German Brewery war randvoll mit Liebhabern des wohlschmeckenden Maerzen — das allerdings nach unseren Massstaeben eher ein Leichtbier war.

Sailing thru‘ Philadelphia

You talk of Liberty.
How can America be free?

- Mark Knopfler

Liberty Freedom Independence Constitution. Wenn Boston die Stadt der Revolution ist, dann ist Philly die Stadt der Konstitution. Hier ist alles gepraegt von — und benannt nach — der Freiheit, der Verfassung, der Unabhaengigkeit. Wir hatten nur einen Tag (eher: einen Nachmittag) in Philadelphia, so dass wir nur einen kurzen Eindruck gewinnen konnten, aber vor der Independence Hall zu stehen, in der die Unabhaengigkeitserklaerung 1776 unterzeichnet wurde, oder die gerissene Liberty Bell zu sehen, das Symbol der Freiheit fuer schwarze wie fuer weisse Amerikaner, macht klar, wie aus so unterschiedlichen Staaten und Buergern ein Staat werden kann: hier liegen die Wurzeln der Grundwerte einer Nation, und zwar hoffentlich noch nicht begraben.

Piladelphia gibt einen Vorgeschmack auf Washington, mit einigen pompoesen und stilistisch an griechische Tempel angelehnten Gebaeuden, hat aber auch einen modernen Kern mit Wolkenkratzern. Klar haette man die Geschichte noch genauer studieren koennen, aber wir hatten nach unserem einen Tag das Gefuehl, das Wichtigste mitbekommen zu haben.